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Allein

Ich habe Gespenster gesehen
bei Tag,
als Schatten getarnt,
in schwarze Kutten gehüllt,
Gespenster bei Nacht,
die meine Träume,
süße Erinnerungen an dich,
wie weiße Kometen durchkreuzten.

Ein Faß Traurigkeit,
den trüben Tümpel meiner Tränen
sende ich dir
in meinen Briefen,
unbeflecktes Papier, kalter Marmor
für dich von mir.
Gelähmte Blicke
sind die Stempel meiner Post.

Die Zeit hält Winterschlaf
in meinem Schoß,
ist eine Schnecke,
verfault in ihrem harten Kleid.
Die Glocke ist stumm,
ihre Zunge abgeschnitten,
sie läutet nicht
zu deiner Wiederkehr.

# # #


Liebschaften I

Und wieder,
als verirre sich das Leben
in einem längst vergilbten Brief,
dessen Siegel ungebrochen ist,
wieder erreichen wir die Insel
inmitten des Flammenmeers
am Rande unserer Wirklichkeit.
Und es brennt
um uns die ganze Nacht,
während wir Küsse, Orte, Jahre
mit dem Augenblick verweben.

Und am nächsten Morgen
eine Götterdämmerung:
Es ist nicht wahr, nicht wahr,
der Mond ist immer eine Sichel,
die unsere Zweifel mäht,
der Himmel eine Kuppel über uns.
Nie ist der Schmetterling
in eine neue Zeit entflogen,
wir waren, wir sind.

Und uns gehört der Herbst,
gereifte Vollkommenheit,
die Saat der verlassenen Jahre,
die nicht vergessen sind,
doch woher sie kamen,
bleibt stets ungewiß.

Vielleicht ist auch das nicht wahr,
vielleicht haben wir nichts
von uns jemals gekannt,
vielleicht sind wir einfach
schlechte Hirten der Erinnerung,
und unsere Insel sinkt
mit dem Erwachen
in ein verschollenes Meer.

Nein, nein, nichts ist wahr,
nichts ist wahr von alledem:
Wie weit ist es denn
von einem Meer zum anderen?
Umarmt nicht das Wasser
die ganze Welt?
Ich wandle zwischen Kometen,
auf deren Schweif wir uns liebten,
und über dem Leichnam der Zeit,
zwischen Graupel und Tau,
im Flieder, im Apfel, im Laub,
in Tränen und im Lachen
ruht stets der Sterne Blick.

Und ich spreche ohne Groll,
weil ich niemanden erwarte,
weil mir erst Flügel wachsen,
wenn der Wind anschwillt,
weil ich weiß,
wir waren, wir sind.

# to soul #


Wo bleibe ich?

Du machst dir deine eigenen
Jahreszeiten, Sommer und Winter
wechseln bei dir jeden Tag.

Aber wo bleibe ich?

Ich bin gebunden
an den Flieder
und den Rosenduft,
an den Flug der Wildgänse,
in meinen Adern fließt Harz,
meine Haut lebt vom Blütenstaub.

Sag mir,
wo ich bleibe,
wenn Schnee um dich tobt,
deine Finger erfrieren
und dein Gesicht vereist?

In meinem Garten
ist Frühling,
der Ginster blüht gelb,
gelber Frühling,
nur du bist weiß.

Wo stirbst du gerade?

# # #


Schenk mir

Schenk mir
den Glanz deiner Augen
und deine Stimme,
gußeiserne Glocke,
den Boden,
auf dem du stehst,
schenk mir
das niedergetretene Gras
unter deinen Füßen,
den Zauber deiner Hände,
die Früchte
deiner verwegensten Träume,
den Blütenstaub
auf deiner Haut,
deinen Atem
an meinem Ohr.

Und versprich mir
den längsten Sonnenstrahl,
den größten Regentropfen
einzufangen,
damit ich wachsen kann
bis hin zu dir,
schenk mir
Fesseln aus Rosenranken,
den gläsernen Tau,
das Spinnennetz
der Morgenstundenwelt
und schenk mir
ein leises Geräusch,
das aussieht wie ich,
einen heimlichen Blick,
der heißt wie ich.

# # #


Kalter Wachs

Es schleicht ein Greis um Mitternacht
durch das prächtige Schloß,
das wir uns erbauten,
und es winselt ein Hund
in Ketten gelegt,
sich seiner Freiheit erinnernd.

Unsere Gefühle sind bemoost,
deine Hände
Efeu an meines Körpers Wand,
und der Bartansatz des Morgens
scheuert noch am Abend
meine Seele wund.

Der Fluß hat sich verirrt,
weil er vergessen hat,
daß einst zum Meer er strebte.
Verdurstete Algen, totes Getier
säumen unsere Ufer,
die weit verlassen sind.

Wie geschäftige Bienen,
wie zwei eilige Züge,
die sich im Fahrtwind streifen,
wie etwas, das schon weg ist,
bevor es bei mir war,
so ist deine Berührung.

Deine Augen sind erloschen,
einer ausgebrannten Kerze gleich,
wie erkalteter Wachs,
eine Skulptur aus Stein dein Blick,
und ich bin wie ein Reh,
jederzeit zur Flucht bereit.

# # #


Ich gedenke Deiner

Warum ist der Sommer nicht gestorben,
als ich in deinem Leben lag?

Ich gedenke deiner,
meine Träume haben dein Gesicht,
und allein im Brunnen der Nacht
bin ich wirklich wach.
Und wenn ich die Leiter
des tückischen Morgens erklimme,
reise ich mit einem Vielleicht in der Brust.

Was begehrte ich mehr,
als den Blick hinauf zum Altar?

Gedenke ich deiner,
weiß ich, du bist glockengleich
und läutest für mich das Leben ein.
Ach, teilte doch dein Flügelschlag
alle Wasser zwischen uns,
dann käme ich nie mehr zurück
zur öden Stätte des Menschen,
der ich vor der großen Welle war.
Überschwemmt von deinem Fernsein
ist der Boden unter mir,
ach, ich bin gestrandet an dir.

Bist du es, der da ist
und doch so schmerzhaft nicht?

Deiner gedenke ich
als gefallene Königin, die liegt
in den Wehen eines ungeborenen Traums.
Atlas, der meine Sehnsucht trägt,
die Erinnerung vermag es nicht,
dein lichtes Wesen zu ermessen.

Erahnst du dein heißes Mal
auf meiner kühlen Stirn?

# to (the) mark #


Fünf Jahre später.

Rote Linien gezeichnet
in den grauen Fels
des Westens, küstenlang
wandert die Erinnerung.

Fünf Jahre später.

Mein Leben gezeichnet
in die Zeit, seitdem
mein Blick sich verbrannte
an den Liebenden auf Stein.

Fünf Jahre später.

Gefühle nicht verzeichnet
von den Wegen dazwischen,
an diesem Fels trifft sich
unbeirrt mein Sehnen mit mir.

Fünf Jahre später.

Ist noch zu früh.

# hällristningar i tanumshede 2000 #

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